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Nabelschnur

Nachdem die Nabelschnur riss

Brauchte ich ein Gebiss

Denn die Zeit von Brei

War nun vorbei

Musste nun zubeißen

Um mein Essen zu reißen

Nahm das, was ich fand

Es schmeckte interessant

Zuerst machte es mich froh

Aber es war roh

Zwar schnell zu bekommen

Und zu mir genommen

Aber zäh und kalt

Oft zu alt

Und aus Zukunftssicht

Reichte mir das nicht

 

Als ich ein Tier fand

Es war in einem Feuer verbrannt

Die Farbe war braun – fast wie verrostet

Trotzdem habe ich es gekostet

Und es aufgebrochen

Daran gerochen

Das war gut

Nahm mir Mut

Und ich habe es verspeist

Das geschriebene beweist

Dass ich überlebte

Und es mich der maßen anregte

Dass ich von nun an alles grillte

Daran meinen Hunger stillte

 

Wie es der Zufall wollte

Ein Stück in meinen Kessel rollte

Und im heißen Wasser schwamm

Das Fett raus rann

Und sah die Augen

Fragte mich ob sie was taugen

Nahm einen Schluck aus dem Kessel

Es haute mich glatt vom Sessel

Ich hatte die Bouillon erfunden

Und ließ sie mir munden

 

Das waren die Grundlagen

Noch mehr zu wagen

Habe mich zurückgezogen und beraten

Heraus kam ein Braten

Und dieser Duft

Lag so schwer in der Luft

Dass jeder kam

Von mir ein Stück nahm

Danach begannen sie zu fordern

Wollte mehr ordern

Sie selbst die Reste aufklaubten

Alles laut rülpsend verdauten

 

So wollte ich das nicht

Zu meinem Gericht

Sich so zu benehmen

Sie sollten sich was schämen

Und brachte zu Papier

Das Benimmbrevier

Damit waren die Regeln bestimmt

Wie man sich benimmt

Dafür gab ich mir fünf Sterne

Schön anzusehen aus der Ferne

 

Jeden Abend öffnete ich mein Portal

Und nannte den Raum Lokal

Und die Menschen kamen

Platz nahmen

Nicht mehr stritten

Hielten sich an die Sitten

Und aßen was ich deckte

Da ich täglich die Märkte checkte

Und wenn ich keine Ideen hatte

Gab es gefüllte Ratte

Manchmal waren mir die Tiere zu schade

Dann machte ich Kohlroulade

Gefüllt mit Hack und Speck

Die gingen immer weg

Doch ich war zu Höherem bereit

Und nahm eine Auszeit

 

Ich schrieb alles auf

Rezepte zu Hauff

Zu Nouvelle Cuisine

Zog es mich nun hin

Vom Barbaren

War ich aufgefahren

In Lukullus Reich

Wollte über den großen Teich

Um auch in anderen Welten

Als Prophet zu gelten

Was mir auch gelang

Und mich zum weitermachen zwang

 

Man sah wie ich Speisen kreierte

Sie mit Mustern verzierte

Knallbunt oder schwarz/weiß

Kalt und heiß

Mein Buch über die Speisenkunde

War in aller Munde

Jeder wollte es sehen

Bei mir in die Schule gehen

Vor den Toren lange Schlangen standen

Und sich zum Eingang wanden

Nur um zu speisen

Unternahmen sie weite Reisen

 

Als ich aus diesem Traum erwachte

Als es an der Scheibe krachte

Jemand laut an ihr klopfte

Während ihm Regen aus den Haaren tropfte

Ich das Fenster aufschob

Er zu Fluchen anhob

Er wollte schon gehen

Um nicht mehr lange im Regen zu stehen

„Sie wünschen?“

„Ein Curry mit Pommes und 10/10.

Arbeiten und nicht Träumen

Sonst werden sie ihre Kunden versäumen.“

Wenn der wüsste

Dass ich nicht hier bleiben müsste

Denn mit meiner Gabe

Ich solche Menschen nur schwer ertrage

Denn ich bin der Maitre de Cuisine

Und das ist der Beginn

Einer großen Karriere

Mit der ich mein Wissen vermehre

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